Zeige mir deine Zähne und ich sage dir, …

… wie gesund du bist! Wie das geht? Das habe ich mich auch gefragt – insbesondere seit mich Zahnärztinnen kontaktiert haben, um ihre Patient*innen zusätzlich dabei zu unterstützen, die Zahngesundheit zu verbessern. Und dann ging die Recherche los!

Die Ernährung bestimmt die Zahngesundheit. Und die Zahngesundheit bestimmt die Ernährung.
Die Geschichte um „Karius und Baktus“ – eine Geschichte, die ihre Geburtsstunde schon 1954 in Norwegen hatte – kennen viele Kinder. Sie soll zum Zähneputzen anregen und macht darauf aufmerksam, dass Karies vermieden werden kann, wenn die krankheitserregenden Bakterien weggeputzt werden. Was aber auch von Bedeutung ist: Die Bakterien lieben Zucker! Und zwar nicht nur den süßschmeckenden, sondern nahezu alle Zuckerarten, sprich fast alle Kohlenhydrate. Nur auf Milchzucker scheinen die Bakterien, die für Erosion an der Zahnoberfläche (Karies) sorgen, nicht so abzufahren.
Und der Zucker verschlimmert auch das Geschehen von Entzündungen im Zahnfleisch (Gingivitis) oder des Zahnhalteapparats (Parodontitis), denn die Entzündungen werden ebenfalls durch Bakterien verursacht, die sich in den Taschen zwischen Zahn und Zahnfleisch aufhalten.

Säuren aus Lebensmitteln stehen ebenfalls in Verdacht, die Schutzschicht der Zähne, den Zahnschmelz, anzugreifen. Säurehaltige Lebensmittel sind dabei nicht nur die, die wie Obst oder Joghurt sauer schmecken, sondern auch diejenigen, die süß schmecken – z. B. Softdrinks, die Phosphorsäure enthalten. Zu den zugesetzten Säuren in Lebensmitteln gehören beispielsweise Essigsäure (E 260), Zitronensäure (E 330), Phosphorsäure (E 338), Fumarsäure (E 297), Milchsäure (E 270), Weinsäure (E 334), Ascorbinsäure (E 300). Wirf doch mal einen Blick auf die Zutatenliste!
Psst! Obst und Joghurt sind natürlich gute Lebensmittel. Nach deren Verzehr am besten 20 Minuten nicht die Zähne putzen, damit durch das Putzen nicht die Säure den Zahnschmelz angreift.

Und wie bestimmt die Zahn- und Mundgesundheit die Ernährung?
Zahnschmerzgeplagte kennen es (leider): Der Schmerz reduziert den Appetit. Und falls die Schleimhaut im Mundraum verändert ist und wehtut, ändern wir auch unsere Lebensmittelauswahl. Kohlensäurehaltige Getränke können unangenehme britzeln. Warmes oder Kaltes wird gemieden, weil sie wie ein Blitz durch die Zähne oder Mund ziehen können. Speisen mit harter Textur (wie Karotten oder Nüsse) oder auch Ballaststoffreiches werden häufig ebenfalls gemieden, denn sie können Schmerzen verursachen.
Und wenn es aufgrund unbehandelter Entzündungen oder durch einen Unfall zu Zahnverlust kommt oder das Biss- und Schluckverhalten verändert ist – möglicherweise als unerwünschte Nebenwirkung von Medikamenten oder infolge von Erkrankungen – kann auch nicht mehr alles gegessen werden.

Die eingeschränkte Lebensmittelauswahl kann zu Problemen führen, denn manche Mineralstoffe (wie Calcium, Eisen, Zink, Magnesium) oder Vitamine (z. B. Vitamin C, B-‍Vitamine) oder sekundäre Pflanzenstoffe (z. B. Polyphenole) können infolgedessen fehlen. Dadurch setzt sich nicht nur der schützende Speichel mangelhafter zusammen, sondern auch das Immunsystem kann nicht mehr so ideal arbeiten und Entzündungen abwehren.

Und was hat das die Zahngesundheit mit der des ganzen Körpers zu tun?
Je nachdem wie groß die Entzündungen in den Zahnfleischtaschen sind, ist eine kleinere oder größere Eintrittsfläche für Bakterien vorhanden. Und die können von dort über das Blut direkt in den ganzen Blutkreislauf des Körpers rauschen. Außerdem sind können sich auch die Entzündungen aus dem Mundraum in andere Teile des Körpers ausbreiten. So gibt es beispielsweise Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Arthritis/‍Rheuma. Die Zahngesundheit hängt aber auch eng mit dem Diabetes Typ 2 zusammen, wobei nicht eindeutig geklärt ist, was zuerst da ist: Führt der hohe Zuckerkonsum erst zur Entzündung im Mund und dann auch zum Diabetes Typ 2? Oder entwickelt sich zuerst der Diabetes Typ 2 und führt in der Folge zur schlechteren Immunabwehr und dann zur Entzündung?

Was kann man tun?
Die Zahnärzt*innen würden sagen: regelmäßig Zähneputzen und auch Zahnzwischenraumbürstchen benutzen, um die Bakterien immer wieder aus ihrem gemütlichen Dasein auf und zwischen den Zähnen aufzuwirbeln und zu vertreiben.
Beim Essen ist es empfehlenswert, den süßen Zucker und die Kohlenhydrate insgesamt aus festen Lebensmitteln und auch Getränken zu reduzieren, um Karies und Entzündungen vorzubeugen oder – wenn sie schon bestehen – zu reduzieren. Und nach dem Verzehr von Süßem und Kohlenhydrathaltigem stets ein zuckerfreies Kaugummi kauen, wenn Zähneputzen gerade nicht möglich ist.

Durch das Kauen wird Speichel gebildet, und mit diesem können die Säuren, die aus dem Zucker entstehen, neutralisiert werden. Und weil Kauen so gut ist, ist es beispielsweise auch ratsamer, Obst zu kauen, statt es als zuckerreichen Saft oder Smoothie zu trinken, oder Brot mit Körnern anstelle von weichem Weißbrot zu essen.

Und neben zucker- und kohlenhydratreduzierter Kost ist es wertvoll, ansonsten eine breite Vielfalt vieler natürlicher, wenig verarbeiteter Lebensmittel zu essen. Darüber findest du mehr in unserer Blog-‍Rubrik Fake Food und Real Food und im Blogpost über anti-‍entzündliches Essen erfährst, du welche Lebensmittel wie wirken (z. B. Omega-‍3-‍Fettsäuren).

 

(Heike Niemeier)


Bild: © Audrey Fretz / unsplash.com

Freitag, 22 Oktober 2021 05:27

Liebe Leser*innen,
mit allem Respekt verwenden wir hier das gewohnte "Blog-Du".

Newslekker von essenZ – Dr. Heike Niemeier & Team

Haben Sie Appetit auf regelmäßige Infos über Ernährung & Essen, um Ihren Wissenshunger zu stillen? Dann können Sie mit unserem Newslekker etwa einmal monatlich kostenlos aktuelle Informationen bekommen.

Wenn Sie sich anmelden, erreichen Sie regelmäßig folgende Neuigkeiten:

  • Rezept(e) und Lebensmittel des Monats
  • Aktuelle Ernährungs- und Ess-Themen, die wir genauer unter die Lupe nehmen
  • Dit & dat, zum Beispiel neue empfehlenswerte Produkte, Tipps zur Motivation
  • Aktuelle Termine

Der Newslekker kann jederzeit wieder abbestellt werden.